Was tun wir wenn wir durstig sind? Vielleicht gehörst auch du zu dem stetig wachsenden Anteil der Bundesbürger, die wie selbstverständlich nach der Mineralwasserflasche greifen. Da sind wir in Mitteleuropa schon sehr verwöhnt. Deswegen gilt ein großer Dank der Qualität und Sicherheit unseres Mineralwassers. In kaum einer anderen Gegend sind die geologischen Gegebenheiten so optimal und das zeigt sich in der Vielfalt an Mineralwässern, die Deutschland zu bieten hat. Dass deutsches Mineralwasser natürlichen Quellen entspringt und als reines Naturprodukt gilt ist weitgehend bekannt. Wie gelangt es aber in die Flasche, wie wird die gleichbleibende Qualität gewährleistet? Was passiert zwischen Quelle und Abfüllung? Alles Fragen, die wir uns nie stellen. Hier gibt es einige Antworten.

Aus der Natur bis in die Flasche

Natürlich ist Mineralwasser im Laufe von vielen Jahren durch verschiedene Gesteinsschichten gereinigt, gefiltert und mit wertvollen Mineralien und Spurenelementen angereichert worden und hat daher eine sehr gute Qualität. Doch die Mineralwasserquelle ist nicht zwangsläufig direkt mit der Abfüllung verbunden. Vielfach wird das Wasser zunächst durch Rohrleitungen befördert, bevor es in den Abfüllbetrieb gelangt.

Um zu gewährleisten, dass das Mineralwasser was bei uns zu Hause ankommt tatsächlich in Qualität und Sicherheit einwandfrei ist, wird ein enormer Aufwand betrieben, der vom Verbraucher meist unbemerkt bleibt. In Deutschland gibt es deshab unterschiedliche Zertifizierungen, die helfen sollen dieses auch sicherzustellen. Von vielen großen Handelsketten werden diese Zertifizierungen quasi als Eintrittskarte ins Abverkaufsregal verlangt.

Der IFS als Eintrittskarte in den Handel

Der IFS (International Food Standard) ist eines dieser Prädikate, die sich mehr und mehr durchsetzen. Doch was heißt das alles genau und was beinhaltet so ein Standard wie der IFS Food? Kurz: Was bringt dieser Standard für die Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelqualität?
Kernstück des IFS Standard ist ein Maßnahmenkatalog. Verteilt auf 30 Seiten werden über 260 Anforderungen gelistet zu allen wichtigen Themen für Lebensmittelsicherheit und -qualität. Sämtliche Prozesse im Unternehmen werden in Bezug auf mögliche Risiken analysiert und beswertet. Beispiele sind Wareneingang, Warenausgang, Lagerhaltung, Laboruntersuchungen/ Produktanalysen, Produktschutz und sehr viele mehr. Jede Anforderung wird in einem Audit (das Audit untersucht, ob Prozesse, Anforderungen und Richtlinien den IFS erfüllen) mit bewertet. Daneben gibt es Major (besondere Focusthemen) und sogar auch K.O.-Kriterien, die unmittelbar zum nicht Bestehen des Audits führen.  Im Standard selbst gibt es allein 10 KO-Kriterien, die als so wichtig erachtet werden, dass deren Erfüllung für das Bestehen des Audits zwingend erforderlich ist. Ein Beispiel hierfür ist die Personalhygiene (tragen entsprechender Arbeitskleidung, Erfüllung der  vorgeschriebene Hygienerichtlinien).

 

Theoretisch gilt ein IFS-Audit als bestanden, wenn ein Unternehmen 75% der möglichen Gesamtpunktzahl erreicht. Viele Einzelhandelsketten reicht dies jedoch nicht. Sie fordern von den Lebensmittelunternehmen, dass diese „auf Höherem Niveau“ bestehen und mindestens 95% der Gesamtpunktzahl erreichen. Um so gut zu sein, darf sich das Unternehmen fast keine Fehler erlauben. Für die Unternehmen bedeutet dies: schulen, schulen, schulen! Das Personal muss hoch qualifiziert sein, die Technik muss einwandfrei funktionieren. Hinter all dem steckt ein sehr durchdachtes und organisiertes Qualitätsmanagement. Ohne dieses wären die Anforderungen einer Zertifizierung auf höherem Niveau nicht zu bewerkstelligen.
Kein Wunder also, dass Lebensmittelunternehmen mit einem IFS-Food-Zertifikat, dieses als Nachweis für ihre Kompetenz nutzen. Am Rande: die Anforderungen im IFS Food Maßnahmenkatalog gehen weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.
Bad Meinberger erreichte beim letzten Überwachungsaudit eine starke Leistung. Danke für die Qualität und Sicherheit.
081076 IFS 2017-04-27 englisch

Weitere Fakten zur Qualität und Sicherheit nach IFS Food:

  • Die erste Version wurde 2003 vom  Handelsverband Deutschland (HDE) entwickelt. In den kommenden Jahren haben sich der französischen Verband Fédération des Entreprises du Commerce et de la Distribution (FCD) und die italienischen Einzelhandelsverbände sowie Einzelhändler aus Österreich und der Schweiz an einer Weiterentwicklung  beteiligt. Das IFS Zertifikat wird mittlerweile weltweit von Händlern und Herstellen anerkannt.
  • Der Standard dient der Qualitätssicherung und der Lebensmittelsicherheit von Eigenmarken.
  • Der IFS Food wird von der GFSI (Global Food Safety Initiative) anerkannt.
  • Aktuell werden Firmen nach IFS Food Version 6 zertifiziert. Das Zertifikat ist ein Jahr gültig, folglich wird  das IFS-Audit jährlich wiederholt.
  • Der IFS Food bezieht sich auf lebensmittelverarbeitende Unternehmen, das heißt, dass Produkt muss verarbeitet oder behandelt werden.
  • Das Punktesystem im IFS Food: (A = voll erfüllt (20 Punkte), B = nahezu erfüllt (15 Punkte), C = nur ein kleiner Teil wurde umgesetzt (5 Punkte),  D = Anforderung nicht umgesetzt (-20 Punkte)).
  • Ein Major führt zu  15% Punktabzug von der möglichen Gesamtpunktzahl. Der Major wird gezogen, wenn etwas kein KO ist, aber der Verstoß trotzdem als besonderes Risiko erachtet wird. Das Unternehmen muss hier ein zweites Audit durchführen lassen, der Fehler muss korrigiert sein. Vorher heißt es nicht bestanden!
  • Nach dem Zertifizierungsaudit erhält das Unternehmen einen Maßnahmenplan mit allen Abweichungen, damit es diese bearbeiten kann. Dies zeigt dem Unternehmen sein Verbesserungspotential und dient dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Werden die Abweichungen im Maßnahmenplan nicht behoben, dürfen sie beim folgenden Zertifizierungsaudit als stärkere Abweichung gewertet werden.
Anja Pruban
Anja ist Diplom-Oecotrophologin und arbeitet bei FIS Europe unter anderem im Bereich Qualitätsmanagement. Nebenbei publiziert sie regelmäßig Fachartikel für die Lebensmittelindustrie bei verschiedenen Verlagen.