Wir hatten die Chance, mit Volker Broy übers Wassertrinken im Sport zu sprechen. Broy ist Mannschaftsarzt beim Handball-Erstligisten TBV Lemgo. Wir wollten ganz genau wissen, welchen Unterschied es macht, was man trinkt und wie viel man trinkt. Außerdem haben wir etwas interessantes über die Motivation von Profisportlern herausgefunden, aber lest selbst…

Was genau ist Ihre Aufgabe beim TBV Lemgo und wie kamen Sie ins Team vom TBV Lemgo?

Broy: „Eigentlich bin ich Unfallchirurg – das heißt, dass ich mich vorrangig um die Verletzungen des „Bewegungsapparates“ der Spieler kümmere. Das sind also alle Gelenke und Muskeln, die im Spiel beansprucht werden. Ich habe diese Aufgabe vor 15 Jahren übernommen – seit dieser Zeit bin ich mit Leidenschaft Teil des Teams.“

Volker Broy ist Mannschaftsarzt des Handball-Erstligisten TBV Lemgo. Er betreut die Mannschaft seit 2001 und betreibt eine unfallchirurgische Praxis in Lemgo.

Erzählen Sie uns doch mal etwas über die Herausforderungen, vor denen die Spieler stehen…

Broy: „Die Herausforderung besteht in einer Mischung aus physischen, taktilen und psychischen Belastungen. Der Spieler erbringt also eine körperliche Leistung auf dem Feld und muss natürlich auch in den ständigen psychischen Druck- und Stresssituationen stabil sein. Das besondere am Handball ist, dass es ein intensives, schnelles Spiel ist: der Zeitdruck, unter dem Entscheidungen getroffen werden müssen, ist enorm. Dazu kommt, dass Handball ein körperlich intensives Spiel ist und die Spiel ständig im Zweikampf mit dem Gegner sind. Auch diese von außen einwirkenden Kräfte bedeuten eine Herausforderung für die Spieler.“

Erreicht man die Leistungen im Profisport nur durch hartes Training, oder gibt es andere Faktoren, die den Erfolg beeinflussen?

Broy: „Ja, natürlich! Neben einem ausgewogenen Tagesablauf ist ausreichend Schlaf sehr wichtig, Stichwort Biorhythmus. Eine auf den Sport zugeschnittene Ernährung ist ebenso wichtig wie regelmäßiges Trinken. Ein vernünftiger Lebenswandel gehört genauso dazu und das Minimieren der Zufuhr von Körpergiften wie Koffein oder Alkohol ist unerlässlich. Ohne Training geht es natürlich nicht – aber der Profisport ist auf seine eigene Art ein Job, der den Sportler rund um die Uhr fordert.“

Welchen konkreten Einfluss hat die Trinken auf die Leistung der Sportler?

Broy: „Einen sehr großen! Der Flüssigkeitshaushalt ist das Benzin für den Motor Körper. Flüssigkeit stellt die Energie zur Verfügung und sorgt für den Abtransport von Schadstoffen. Außerdem funktioniert die Kühlung des Körpers durch Verdunstung, also Schwitzen, nur auf Basis von Flüssigkeitsaufnahme. Wer als Profisportler zu wenig trinkt, wird es nicht schaffen, seine volle Leistung abzurufen!“

Sollte man als Sportler einfach so viel trinken soll wie möglich, oder gibt es andere gute Trinkregeln, die man befolgen sollte?

Broy: „Man sollte idealerweise 30 bis 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen. Bei einem 100 kg-Sportler wären das dann drei bis dreieinhalb Liter pro Tag. Gerade mit steigendem Alter ist es wichtig, dass man „vortrinkt“. Man sollte ein Drittel des erforderlichen Haushaltes schon auffüllen. So kann Trinken beim Sport die Verletzungsgefahr minimieren, denn je mehr Muskeln hydriert werden, desto elastischer sind die Fasern.“

Was genau trinken die Profisportler?

Broy: „Hauptsächlich Mineralwasser – das ist ganz einfach die Basis für alles. Damit kommt der Körper am besten zurecht – es braucht keine Vitamine oder geschmacklichen Zusätze um unseren Durst zu stillen. In trainingsintensiven Phasen kann man das Gewicht vor und nach dem Training kontrollieren und pro Kilogramm Gewichtsverlust einen Liter isotonisches Getränk nachfüllen.“

Was kann passieren, wenn Sportler zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen oder sich zu ungesund ernähren?

Broy: „Wenn der Körper Sport macht, ist das wie ein kleines Kraftwerk, dass ständig neues Material in Energie und verschiedene Abfallprodukte umsetzt. Mineralwasser übernimmt zwei ganz wichtige Aufgaben im Körper: es sorgt dafür, dass unser kleines „Kraftwerk“ überhaupt erst Energie erzeugt und führt die Abfallprodukte auch wieder ab. Fehlt Wasser, kann der Körper übergiften. Zu wenig Flüssigkeit führt meistens zu einer Verschiebung des Säure-Basen-Haushalts, was eine schlechte Sauerstoffbindung im Körper zur Folge hat. Trinken beim Sport hat viele Funktionen, aber wenn man nicht trinkt, stehen am Ende immer Leistungseinbußen.“

Können Sie uns etwas dazu erzählen, wie sich die Spieler nach einer Niederlage oder einer Verletzung wieder motivieren?

Broy: „Meiner Meinung nach sollte es im Berufssport keiner Motivation bedürfen. Siegen und Verlieren gehört einfach dazu. Deshalb wird man die nächste Aufgabe immer wieder mit der gleichen vollen Motivation angehen.“

Vielen Dank für das Interview an Herrn Broy und Frau Knupp!

Micha Wiebe
Während seines Geschichtsstudiums ging Micha die Verlagswelt in Hamburg und Berlin erkunden. Nebenbei schrieb er für die STUZ in Mainz und genoss die Sonne und den Wein am Rhein.

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